Architektur der Archive. Physische Manifestationen von Geschichte, Ordnung und Macht
 
 
Susann Massute

Betreuung: Prof. Winfried Gerling, Prof. Wiebke Loeper

»Architektur der Archive« ist eine fotografische Reise durch die Berliner Archivlandschaft. In 77 Tagen wurden 29 Institutionen besucht, Eigen- und Allgemeinheiten des Archivs dokumentiert und die ArchivarInnen über ihren Beruf und ihre Arbeit befragt.

Es ist zum einen eine Meta-Arbeit über die Praxis des Bewahrens, Sammelns und Ordnens. Das Spannungsfeld Archivarbeit steht heute zwischen dem physischen Horten der Dinge und der Digitalisierung immenser Datenmengen, zwischen strenger, normierter Ordnung und der unvermeidlichen, unordentlichen Improvisation, zwischen Bewahren und Wegwerfen. Zum anderen reflektiert »Architektur der Archive« die Praxis des künstlerischen Sammelns und Ordnens. Das Nebeneinander-Sortieren der Bilder erlaubt die Erkundung der Bedeutungen im Dazwischen. Die künstlerische Ordnung ist dabei genauso willkürlich wie die Ordnung im Archiv.

Das entstandene Fotobuch umfasst 368 Seiten, stellt in Porträts die jeweiligen Archive vor und eröffnet in einem visuellen Glossar einen weiteren Zugang zum »Archiv über Archive«.


Die Arbeit wurde mit dem Preis der FHP für die beste Abschlussarbeit im Studiengang Europäische Medienwissenschaft ausgezeichtnet.
 
   
Gegen-hegemoniale Schrift. Feministische und Postkoloniale Entwürfe alteritärer Schreib- und Lebensformen.
 
 
Sabeth Kerkhoff

Betreuung: apl. Prof. Dr. Michael Mayer, Dr. Bernd Bösel

»Die leere Seite, sie strotzt vom Begehren möglicher Spuren jeglicher Symbole, Gleichungen, Worte, Bücher, Bibliotheken, Satzzeichen, Vokale, Diagramme, Kritzeleien, Inschriften, Grafiken, Buchstaben, Tintenklecksen, wie sie nach Ausdruck verlangen. Ein Jubel der Leere.« (Karen Barad 2013: 29)

Ausgehend von einem differenztheoretischen Verständnis der Schrift zeichnet diese Arbeit eine Vorstellung des sozialen wie des politischen Raumes nach, der sich durch die genuine (Un)Möglichkeit bestimmt zeigt, sich Sinn zu geben ohne diesen jemals auf Dauer ‚feststellen’ zu können. Im Nachvollzug des Denkens von Ernesto Laclau und Jaques Derrida wird es darum gehen, diese nicht abschließbare Signifikation als Notwendigkeit zu artikulieren und auf die ihr eigene Medialität des Bezuges hin zu befragen. Sinnprozesse werden dabei in der steten (und notwendigen) Spannung zwischen Universellem und Partikularem sowie zwischen Identität und Differenz vorgestellt. Hélène Cixous und Édouard Glissant gelten der Arbeit dabei exemplarisch für ein ästhetisch-politisches Denken wie Schreiben, das eben diese Spannung aushält und sie produktiv wendet. Gegen-Hegemonie, als Erschütterung etablierter (Sinn-)Systeme und tradierter Selbstverständnisse, wird folglich vor dem Hintergrund dieses (unvereinbaren) Bezuges vorgestellt, indem sie keine schlichte Umkehrung der Hierarchie anstrebt, sondern auf eine Inversion der Beziehung drängt.


Diese Arbeit und die Abschlussarbeit von Naomie Gramlich wurden mit dem Studiengangspreis für die beste Abschlussarbeit im Masterstudiengang Europäische Medienwissenschaft ausgezeichnet.
 
   
Klebrige Medien. Von amorphen und kolonialen Materialien in der fluiden Moderne
 
 
Naomie Gramlich

Betreuung: Prof. Dr. Marie-Luise Angerer, Prof. Dr. Birgit Schneider

In ihrer Abschlussarbeit setzt sich Naomie Gramlich mit »Klebrigen Medien« auseinander. Unter medienwissenschaftlichen Konstellationen folgt die Arbeit den Materialien Kautschuk und Plastik in der »Fluiden Moderne« (Zygmunt Bauman), um an den Schnittstellen der Übergänge von Natur und Technik die Eigentümlichkeiten der Klebrigkeit, Formlosigkeit und Plastizität hervorzuholen.


Diese Arbeit und die Abschlussarbeit von Sabeth Kerkhoff wurden mit dem Studiengangspreis für die beste Abschlussarbeit im Masterstudiengang Europäische Medienwissenschaft ausgezeichnet.
 
   
Mit den Fingern lesen. Eine Medienkulturgeschichte der Blindenschrift
 
 
Marion Männel

Betreuung: Dr. Susanne Müller, Prof. Dr. Heiko Christians

Die Arbeit »Mit den Fingern lesen. Eine Medienkulturgeschichte der Blindenschrift« beschäftigt sich mit der Durchsetzung der Brailleschrift im 19. Jahrhundert zur allgemein verbindlichen Blindenschrift. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Etablierung in Deutschland. Den Anfang der Arbeit bilden die Betrachtung der Bedeutung von Schrift sowie Definitionen wichtiger Begriffe wie blind und sehbehindert. Anschließend wird die Brailleschrift in Beziehung zur Geschichte der Blindenbildung sowie der Entwicklung anderer Schriften für Blinde gesetzt. Dabei stellt sich immer die Frage, ob die entsprechende Schrift von Sehenden und Blinden zu lesen und zu schreiben war. Durch den Vergleich verschiedener Schriftentwicklungen wird ermittelt, warum die Brailleschrift bis heute die geeignetste unter ihnen ist. Mit Hilfe von Protokollen von Blindenlehrerkongressen und einer Fachzeitschrift aus dem 19. Jahrhundert wird analysiert, wie sich die Brailleschrift in dieser Zeit im deutschsprachigen Raum etablieren konnte. Zum Abschluss werden Chancen und Probleme der Brailleschrift in der heutigen Zeit betrachtet.


Die Arbeit wurde mit dem Studiengangspreis für die beste Abschlussarbeit im Bachelorstudiengang Europäische Medienwissenschaft ausgezeichnet.