EIN WOLKENATLAS Medienästhetische Betrachtungen von Wolkenfotografien
 
 
Doreen Löwe

Betreuung: PD Dr. Ulrich Richtmeyer, apl. Prof. Dr. Michael Mayer
Masterarbeit

Kaum etwas ist so schwer auszumachen wie die Wolke. Wolken gibt es nur in der Mehrzahl,in einer wilden Meute, im Wolkengewühl und -gewoge, im Wolkenspiel und Wolkentreiben.

Die instabilen Erscheinungen haben viele Formen und zugleich keine, sie sind stets im Werden.Mit ihrer ephemeren Dynamik, ihrem steten Wandel, dem Entstehen und Entziehen von Ähnlichkeiten, geht die Schwierigkeit einer Bildlichkeit einher, die sich selbst in Frage stellt.

Meteorologische Atlanten versuchen Wolken anhand ihrer Erscheinungsform festzuhalten,zu beschreiben, vergleichen und kategorisieren. Für ihre Entwicklung ist die Erfindung derFotografie nicht unbedeutend: Das einzige Labor, das die flüchtigen Erscheinungen zufixieren vermag, ist das Fotolabor. Doch hier entstehen nicht nur fotografische Vorbilderzur wissenschaftlichen Klassifizierung, auch künstlerische Positionen setzen die Wolke insfotografische Bild.

Die Arbeit stellt unterschiedliche fotografische Darstellungen von Wolken nebeneinanderund diskutiert, was diese Bilder zeigen. Ein Wolkenatlas ist der Versuch einer Annäherung andas Phänomen der Wolke im fotografischen Bild und eine Ansammlung medienästhetischerBetrachtungen fotografischer Wolken. Er spielt mit dem Versuch der Wolkenklassifizierungund will die Bewegung der Wolkenbilder aufnehmen, Sichtweisen eröffnen, Standpunkteverdichten, verwandeln und wieder verschwinden lassen. Wolkenfotografien stoßen medienästhetischeReflektionen der fotografischen Wolke im Besonderen und der Ästhetik derFotografie im Allgemeinen an.

Fotografien von Gustave Le Gray, Timothy O’Sullivan, Eadweard Muybridge, Gerhard Richter,Aimé Civiale, Masanao Abe, Alfred Stieglitz, Herwig Kempinger, Jochen Lempert, GerhardLang und Henri Osti gewähren Sichtweisen auf Wolken. Alle versammelten fotografischenBilder von Wolken eint der Versuch, das Flüchtige festzuhalten. Indem Wolkenfotografiendas Unfixierbare zu fixieren trachten, befragen sie ihre eigene Medialität und eröffnen soselbstreflexive Blicke auf etwas genuin Fotografisches.
 
   
FLATLAND_EINE TOPOLOGIE DES HYPERLINK
 
 
Konstanze Scheidt

Betreuung: Prof. Anne Quirynen, PD Dr. Ulrich Richtmeyer

_Gibt es noch mögliche Geschichten?

Diese Frage hat zunächst nicht viel mit dieser Arbeit zu tun, doch Friedrich Dürrenmatt stellte sie und zweifelt drei Seiten lang an der Daseinsberechtigung von Schriftstellern in der mehr und mehr technologisierten Welt. Sollte der Blick nicht besser auf Biologie und Physik gerichtet werden, »sich ordnungshalber über das Gerüst Rechenschaft abzulegen, in welchem wir pendeln« (Dürrenmatt, 1992, S.26)?

Gibt es einen Weg, über das Internet zu schreiben? Sollte die Mühe nicht besser auf Informatik und Mathematik angewendet werden, sich über das Zahlengewebe Klarheit zu verschaffen, in dem wir zappeln?

Dürrenmatt fand seine Geschichten in der Welt der Pannen, ohne Absicht, zufällig etwas allgemeines, menschliches erzählend. Die vorliegende Arbeit geht einen (Irr?)Weg durch den aktuellen Diskurs rund um Netzwerkgesellschaft, Interfaces, Kommunikation, Medien und die Frage des menschlichen Handlungspotenzials in einer digitalisierten Welt, immer begleitet von Vilém Flusser. Dabei wird der Blick als roter Faden auf einen Aspekt des World Wide Webs geworfen, der schon viel älter ist als dieses und es zuallererst bedingt: den Hyperlink. Aus verschiedenen Richtungen wird diese Technik, auf der (noch) unsere alltägliche Nutzung des WWW basiert, eingekreist und sowohl nach der technisch–historischen Grundlage und den gesellschaftlichen Wechselwirkungen als auch der gegenwärtigen Situation gefragt, um einen Ausblick auf das Kommende zu werfen. Nehmt, was ihr wollt.
 
   
MULTIPERSPEKTIVEN Über Darstellungsmöglichkeiten im Dokumentarischen / ein audiovisuelles Experiment im Iran.
 
 
Pune Djalilehvand

Betreuung: Prof. Anne Quirynen, Fritz Schlüter
Bachelorarbeit

Diesen Film gibt es eigentlich nicht, genauer gesagt: er hätte nie entstehen dürfen. Auf der Suche nach Darstellungsmöglichkeiten von Öffentlichkeit und Privatheit im Iran, hat sich das Filmen innerhalb dieser Extreme selbst zum Motiv der Arbeit entwickelt. Das Projekt untersucht das dokumentarische Filmen als Interaktion mit Einbindung der Bedingungen vor Ort. Dabei spielen Faktoren wie meine Beziehung zu den Protagonisten sowie die Drehvoraussetzungen eine Rolle. Daraus entwickelt sich eine Ästhetik, die die Umstände ihrer Entstehung mitbeschreibt. Als theoretische Grundlage der audiovisuellen Untersuchung dient der ethnographische Film in seiner Praxis der Zurschaustellung des Fremden. Mit dem Ziel etablierte Muster von Repräsentation zu durchbrechen, frage ich nach den Möglichkeiten multiperspektivischer Darstellung. Das Ergebnis ist kein Film über den Iran, sondern darüber, wie ich im Iran einen Film drehe.
 
   
T)RAUMZWANG Raum und Immersion in der Entwicklung panoramatischer Medien
 
 
Pascal Hanke

Betreuung: Prof. Anne Quirynen, Dr. Susanne Müller
Bachelorarbeit

Die Abschlussarbeit setzt sich zusammen aus einem praktischen und theoretischen Teil. Ersterer besteht aus dem dokumentarischen 360°-Kurzfilm T)raumzwang, aufgenommen mit einem mehrlinsigen Kamerasystem, das unidirektional von einem Standpunkt aus in alle möglichen Blickrichtungen simultan aufzeichnet. So entsteht ein vollständiges und bewegtes 360°-Abbild der gefilmten Umgebung, in dessen Zentrum sich der Rezipient mithilfe entsprechender Hard- und Software anschließend virtuell hineinbegeben und umblicken kann. Mit Hilfe von VFX-Techniken und 5.1-Sounddesign wird in T)raumzwang die Angststörung Agoraphobie, eine Sonderform der Platzangst begleitet von Zwangsstörungen, Panikattacken und Todesangst, sowie die realen Eindrücke eines tatsächlich Betroffenen eindrücklich vermittelt. Dabei macht der dokumentarische Kurzfilm sich die Freiheit des interaktiven Umschauens im 360°-Medium und somit die von räumlicher Wahrnehmung dominierte Seherfahrung zunutze, um den Betrachter einer intensiven Immersionserfahrung auszusetzen und in ihm ein weiterreichendes Verständnis räumlicher Abhängigkeiten zu wecken.

T)raumzwang stellt somit einen Hybrid aus formalisiertem Inhalt und kontextualisierter Form sowie eine neue Schnittstelle zwischen Virtual Reality und Dokumentarfilm dar.

Die theoretische Begleitarbeit zum Film analysiert, angefangen beim Panorama des 18. Jahrhunderts, wie ein Zusammenspiel aus Raumaufbau, räumlichen Effekten und immer ausgedehnteren Bildformatierungen eine Immersion des Betrachters vorantreibt, welche in der Rahmenlosigkeit virtueller Rundumsichten eine neue Qualität erreicht.